ASBESTMINE: Sanierung Nord Griechenland

Ein Auszug - Referenzen

ASBESTMINE: Sanierung einer alten Asbestmine in Nord Griechenland

Die Asbestminen von Kosani liegen im Norden Griechenlands ca. 100 km westlich von Thessaloniki in West-Makedonien. Kosani selbst liegt in unmittelbarer Nähe des Flusses Aliakmon, der mit 297 km Länge der längste Fluss Griechenlands ist und am Fuß der Asbestminen aufgestaut wurde. Er wird u. a. auch als Vorfluter und Trinkwasserreservoir für Thessaloniki in Betracht gezogen. Die Bergregionen nördlich von Kosani sind u. a. als Braunkohle-, Marmor-, Asbest- und Chromitabbaugebiete bekannt. Die günstige geologische Situation hat dazu geführt, dass sich in weiten Flächen Serpentinasbestgesteine entwickeln konnten, die insbesondere in dem Zeitraum von 1980 bis Februar 2000 durch die MABE (Zusammenschluss der nordgriechischen Asbest-abbauenden Minen, unterstützt von der ETBA (Wirtschaftsbank des griechischen Staats)) in einem Tagebau in großem Umfang zu zwei Dritteln (ca. 70 Mio. to Serpentinitgesteine) bergmännisch gewonnen wurden. Bereits vor 1980 wurde Serpentinasbest in kleinerem Umfang gewonnen. Aus dieser Zeit befindet sich auf dem Gelände noch eine Technikumsanlage, die jedoch nicht mehr in Betrieb ist.
Bis Februar 2000 wurde das gewonnene Gestein in der ca. 500 m von der Mine entfernten Produktionsstätte verfahrenstechnisch gebrochen, getrocknet, gesiebt und so veredelt, dass ca. 1 Mio. to hochwertiger Chrysotilrohasbest veredelt werden konnte. Des Weiteren befindet sich auf dem Gelände zwischen dem Tagebau und dem Produktionsbereich eine im Betrieb befindliche Klosteranlage aus dem 17. Jhrdt. Insgesamt waren in Spitzenzeiten auf dem Gelände 350 Arbeiter mit der Asbestgewinnung und -veredelung beschäftigt. Der Abraum, ca. 69 Mio. to, der nicht weiter verwendet werden konnte, wurde an einem hierfür vorgesehenen, ca. 1 km von der Produktionsstätte entfernten Gebirgshang abgeworfen. Auch diese Abraumgesteinsformationen beinhalten Asbestfaseranhaftungen, die teilweise bis zu den Vorflutern des Aliakmons und seinen aufgestauten Bereichen gelangen können.
 
Da Asbestfasern in ihrer lungengängigen Formation nachgewiesener Weise für den Menschen kanzerogen sind und weltweit zu erheblichen gesundheitlichen Schädigungen und volkswirtschaftlichen Schäden geführt haben, ist u. a. innerhalb der EU-Gesetzgebung seit 1976 durch diverse Richtlinien der Gewinnung, der Verwendung, dem Umgang und dem Inverkehrbringen Rechnung getragen worden. Ziel ist jeweils das Verbot des Inverkehrbringens und der Verwendung von u. a. Chrysotilasbestfasern sowie von Erzeugnissen, denen diese Fasern absichtlich zugesetzt werden. Nach unseren Recherchen wurde insbesondere der Tagebau in Kosani (evt. auf der Basis einer Bestandschutzregelung) lange Zeit nach der sich entwickelnden EU-Gesetzgebung ungebremst weiter betrieben. Hierbei sind erhebliche Fasermengen Chrysotil­asbest in die Umwelt gelangt. Dies führt zu primären und sekundären Verunreinigungen im unmittelbaren Bereich des Tagebaus im Rahmen der Serpentingesteinsgewinnung und zu erheblichen sekundären Verunreinigungen innerhalb der gesamten Produktions-, Verwaltungs- und Betriebsgebäude sowie deren Außenbereiche. Sekundäre Verunreinigungen konnten auch in den Wohnbereichen und der Klosteranlage augenscheinlich festgestellt werden. Die vorliegenden identifizierten Fasern entsprechen hierbei in der Regel der durch die WHO (Weltgesundheitsorganisation) als kritisch eingestuften Faserlängen, die als lungengängig bezeichnet werden. Insgesamt konnten keine entscheidenden emissionsschützenden Maßnahmen innerhalb des Produktionsbereichs bzw. des Tagebaus festgestellt werden, so dass aufgrund der auch im Außenbereich schweren Zersetzbarkeit von Asbestfasern mit einer erheblichen Anwesenheit von sogenannten freien lungengängigen Fasern gerechnet werden muss. Nach Angaben von Zeitzeuge wurde daher die Produktion auf dem Gelände aus Gründen der Gesundheitsvorsorge im Februar 2000 eingestellt.
 
In der Bundesrepublik Deutschland wurde das Vorsorgeprinzip der EU durch eine Reihe von Gesetzen, Regeln und Verwaltungsvorschriften im Rahmen des Verwendungsverbots und des Sanierungszwangs von Asbest umgesetzt. Da der Stand der Technik zur Asbestsanierung in Deutschland sehr weitreichend beschrieben ist und insbesondere in der Freien und Hansestadt Hamburg erhebliche Erfahrungen im Immissions- und Arbeitsschutz gegen Asbestfasern in den letzten 25 Jahren gewonnen wurden, entschied sich die INIER am 7. Juni 2002 durch die beiden vorgenannten Personen, den öffentlich bestellten und vereidigten Asbestsachverständigen Herrn Dipl.-Ing. Arndt von Lieberman (Ingenieurgesellschaft von Lieberman mbH, Bauen und Umwelt – ein Unternehmen der Sakosta Holding AG) mit einer ersten orientierenden Begehung der Asbestmine und der Produktionsstätten von Kosoni zu beauftragen. Im Anschluss an die Begehung am 25. und 26. Juni 2002 war eine erste orientierend gutachtliche Kurzstellungsnahme vor Vertretern des „Prefect of Kosani, West Macedonia“ und Vertretern der „Regional Development Agency of West Macedonia S.A.“ mittels multimedialer Technik am 26. Juni 2002 zu präsentieren.

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